Interkulturelles Lernen, Zusammenleben in Vielfalt

Das Stetten wird – trotz seiner evangelischen Grundausrichtung – von zahlreichen Schülerinnen anderer Religionen, Kulturkreise und Nationalitäten besucht. Außerdem verbringen Gastschülerinnen aus der ganzen Welt ab Jahrgangsstufe 10 jedes Jahr im Rahmen von Austauschprogrammen einen Teil ihrer Schulzeit am Stetten. Fest installiert sind Schüleraustauschprogramme mit Frankreich (La Salle de Vihiers), Italien (Cuneo) und Ungarn (Györ) am Gymnasium sowie eine Kulturfahrt in die Toskana für die Realschülerinnen mit dem Wahlpflichtfach Kunst. All diese Programme fördern den Kulturaustausch, besonders hervorzuheben ist allerdings der Austausch mit Cuneo, da in diesem Sprach- und Orchesteraustausch vereint werden. Der Orchesteraustausch ermöglicht es den Teilnehmenden, auf der Ebene des gemeinsamen Musizierens die andere Kultur zu erleben. Das an beiden Orten jährlich stattfindende Freundschaftskonzert der beiden Orchester kann als Höhepunkt des Austausches bezeichnet werden. Nach nur wenigen gemeinsamen Probentagen führen über 100 deutsche und italienische Musiker gemeinsam ein Konzert auf, das an beiden Orten als Inbegriff des Interkulturellen Lernens verstanden wird. Auch CD-Aufnahmen zu diesem Konzert sind bereits entstanden.

 

 „Zusammenleben in Vielfalt“ wird ebenso in vielerlei Hinsicht umgesetzt. Dazu dienen festverankerte Projekte, die den Schülerinnen Respekt, Wertschätzung und Toleranz anderen Menschen gegenüber vermitteln.

 

Dazu gehören das Singen von Unterstufenschülerinnen im Altersheim in der Weihnachtszeit und die Begegnung mit Senioren mithilfe des Netzwerks KompetenzDemenz. Ebenso besuchen zum Beispiel Schülerinnen im Rahmen des Unterrichtsfaches „Sozialwesen“ regelmäßig ein nahegelegenes Altenheim, um im Gespräch mit den Senioren von deren Erfahrung zu profitieren.

 

Des Weiteren unterstützen Schülerinnen ab der 6. Klasse Patenkinder in Indien der Organisation „Christusträger Waisendienst“ (CTW).  Durch jährliche Vorträge durch den CTW für die Unterstufe lernen sie die Lebensumstände der Kinder, welche sie unterstützen, kennen.

 

Wertschätzung und Toleranz sind zudem elementare Werte, die den Schülerinnen durch die Projekte „Lions Quest“ und „MEGA“ (Brücke e.V.) bereits in der Unterstufe nahegebracht werden. Mithilfe dieser Projekte sollen Schülerinnen unterschiedlichster Voraussetzungen sich als Teil der Klassengemeinschaft verstehen. Beide Programme dienen der Mobbingprävention.

 

Das Projekt „MEGA“ spezialisiert sich auf den Bereich Cybermobbing. Im Rahmen des Projekts erhalten die Schülerinnen durch eine Sozialpädagogin Unterrichtseinheiten sowohl zur rechtlichen Seite als auch zu den Bereichen Empathie und Handlungsmöglichkeiten.

 

Im Projekt „Lions Quest“ fördern ausgebildete Lehrkräfte mit den Schülerinnen das Entstehen einer tragfähigen Klassengemeinschaft. Dabei sind Themen wie Verhaltensregeln, der Umgang mit Gefühlen und die Übernahme von Verantwortung wichtige Aspekte.

 

Abgesehen von festverankerten Projekten finden unterschiedlichste Aktionen zum Thema „Zusammenleben in Vielfalt“ im Schulleben statt.

 

2017 gestaltete zum Beispiel ein P-Seminar im Fachbereich Kunst eine Wand im Grandhotel Cosmopolis, welches sich als interkultureller Treffpunkt versteht. Dazu setzte sich das Seminar mit dem Konzept des Grandhotels auseinander, das Offenheit und kulturelle Vielfalt verbindet mit dem Gedanken, dass jeder Einzelne Verantwortung übernehmen kann. Die Wandarbeit wurde an einer Treppe gestaltet, die vor allem von Flüchtlingsfamilien, die im Grandhotel auf zwei Stockwerken untergebracht sind, genutzt wird. Die Wandarbeit, auf der man verschiedene Tiere, spielende Kinder, einen jungen Mann und eine Dame sieht, die auch als Prinzessin gedeutet werden kann, war vor allem für Kinder gedacht. Dabei konnte die Wandarbeit von den Kindern mit Kreide weitergestaltet werden.

 

Eine ungewöhnliche Kulturerfahrung erlebte das Stetten im September 2017, als vier tibetanische Mönche ein hochkomplexes Sandmandala im Meditationsraum der Schule streuten. Während des Prozesses durften Schülerinnen und Lehrkräfte zusehen. Nach fünf Tagen wurde das Mandala zum Abschluss des Rituals wieder zerstört und der Sand „zum Wohle aller Wesen“ ins nächstgelegene Gewässer geschüttet. Grundidee war die Vermittlung eines Übungsweges, auf dem die eigenen seelischen Hindernisse überwunden werden.

 

2019 nahmen Fünftklässlerinnen am Mozartfestival teil und wurden so Teil der Augsburger Kulturszene. Die Schülerinnen durften ein Konzert für die Augsburger Öffentlichkeit mitplanen, gestalten und es schließlich im Kulturhaus Abraxas aufführen. Grundlage für dieses Konzertprojekt bildete die Liedersammlung „Children’s Songs“ von Chick Corea. Die Schülerinnen dachten sich die Dramaturgie zu den verschiedenen Musikstücken sowie die farbenprächtigen Bühnenbilder aus und entwickelten ihre eigene phantastische Geschichte, die sie schließlich „Das magische Amulett – eine Reise in die Welt der Phantasie“ nannten.