Menschenrechtsbildung und Demokratieerziehung

Seit dem 15. Juli 2019 ist das Stetten „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und fühlt sich dementsprechend der Demokratieerziehung der Schülerinnen verpflichtet. Die Patenschaft übernahm die Augsburger Profiboxerin und Weltmeisterin Nikki Adler. Diese engagiert sich gegen Rassismus u.a. auch deshalb, da sie – aus Kroatien stammend - selbst Ausgrenzung erlebte und sie zurückgeben möchte, was sie dennoch an Gutem erlebt hat.

 

In der Unterstufe erleben die Schülerinnen Demokratieerziehung durch den Klassenrat, die älteren Schülerinnen können den Wahlkurs „Politik und Zeitgeschehen“ besuchen. Die Oberstufe nimmt regelmäßig an der Juniorwahl teil.

 

Des Weiteren initiierte ein Kollege die Reihe „Politik am Stetten“. Im Rahmen dieser Reihe bot 2018 Herr Pierre Schnaubelt, Leiter des Münchner Büros der Sicherheitskonferenz, eine Diskussionsrunde für die 12. Jahrgangsstufe an.

 

Im Jahr 2019 wurde die Reihe durch einen Besuch von Jonah Otto, vom Lehrstuhl für Unternehmungsführung und Organisation an der Universität Augsburg, zum Thema „Brexit“ weitergeführt.

 

Seit vielen Jahren werden außerdem Bundestagsabgeordnete unterschiedlicher Parteien eingeladen, um den Schülerinnen eine kritische Auseinandersetzung mit der Politik zu ermöglichen.

 

Des Weiteren nehmen unsere Schülerinnen im Fach Kunst seit Jahren äußerst erfolgreich am Malwettbewerb zum Thema „Frieden“, der vom Friedenskulturzentrum Schloss Rudolfshausen ausgeschrieben wird, teil. Schülerinnen des Stetten wurden bei diesem Wettbewerb schon mehrfach mit 1. Preisen ausgezeichnet.

 

2018 informierte außerdem das P-Seminar „Welt in Bewegung“ über das Thema Flucht und Migration, indem sie mit Migrantinnen einen Ausdruckstanz entwarfen, der eine Geschichte über Flucht aus dem im Krieg zerstörten Deutschland erzählte.

 

Auch die Kenntnisse der Folgen des totalitären Regimes im dritten Reich und die Auseinandersetzung damit sind am Stetten Grundlage für die Demokratieerziehung. Besuche des KZ Dachaus sind in der Mittelstufe fest verankert.

 

Am 30. Januar 2019 erlebten die Schülerinnen der 10. und 11. Klassen zudem die Buchvorstellung „Jahrhundertzeugen - die Botschaft der letzten Helden gegen Hitler“ von Tim Pröse.

 

Am 15. Mai 2019 nahmen die 9. Klassen im Jüdischen Museum an dem Zeitzeugen-Workshop „Lebenslinien“ mit Ernst Grube (geboren 1932) teil und erlebten so eindrucksvoll die Stärke Grubes, der seine Erlebnisse als Verfolgter in Engagement für Frieden und Gleichheit der Menschen umsetzt.

 

Am 03. Juni 2019 übernahm das Stetten die Mitgestaltung der Einweihung eines Erinnerungsbandes für Opfer des Nationalsozialismus in einer benachbarten Straße. Schülerinnen lasen während der Einweihung Texte als Erinnerung an die Opfer, die dort gelebt hatten. Auch die anschließende Lesung durch Leo Hiemer, der im Barbarasaal des Stetten sein Buch „Gabi (1937-1943) - geboren im Allgäu, ermordet in Auschwitz“ vorstellte, wurde musikalisch von Schülerinnen des Stetten umrahmt.

 

Fest installiert ist die Vergabe des Roland von Hößlin-Gedenkpreises, mit welchem Schülerinnen ausgezeichnet werden, deren W-Seminar-Arbeiten sich in ausgezeichneter Weise mit der gesellschaftlichen Bedeutung einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung bzw. der Verpflichtung, sich dafür einzusetzen, beschäftigen. Dabei sind die Themen nicht auf die deutsche Geschichte beschränkt, sondern können sich auch auf andere, aktuelle Konflikte und auf die Gewinnung und Verteidigung einer demokratischen Ordnung beziehen.  Ausgezeichnet wurden bisher die Arbeiten mit den Themen: „Die ‚Great Migration‘, Arbeitswanderung der schwarzen Bevölkerung der USA im 20. Jahrhundert“, „Von welchen Motiven ließ sich Boko Haram bei der Massenentführung nigerianischer Schülerinnen im Jahr 2014 leiten?“ und „Der Abschuss von Passagierflugzeugen zur Terrorabwehr - Strafrechtliche Diskussion und Analyse“.

 

Zur Demokratieerziehung gehört nach dem Verständnis der Stetten-Schulfamilie auch die Erziehung zu einer gepflegten Streitkultur. Deshalb nehmen Schülerinnen des Stetten bereits seit 2002 am Wettbewerb „Jugend debattiert“ teil. In den letzten Jahren kann die Schule auf erfreuliche Ergebnisse zurückblicken. 2013 war das Stetten Austragungsort des Regionalwettbewerbs „Jugend debattiert“ und im Schuljahr 2014/2015 erreichte eine Schülerin das Finale im Landeswettbewerb. Auch Schülerinnen, die nicht die unterschiedlichen Ebenen des Wettbewerbs durchlaufen, profitieren von der Kultur des öffentlichen Sprechens. Das zeigt sich z. B. darin, dass das Stetten in den vergangenen Jahren sowohl eine Bezirks- als auch eine Landesschülersprecherin stellte.